
Horst Itzchak Schelasnitzki
*1.6.1921 in Angerapp, Darkehmen, Ostpreußen; ✡ 16.11.1989 in Holon
Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater Bernhard Schelasnitzki *5.11.1879 in Kleschöwen, LandgemeindeWielitzken; ✡ 8.4.1938 Berlin
Heirat der Eltern 13.1.1920 in Bad Freienwalde
Mutter Sara Selma Wolff geb. Kuschinski *9.12.1894 in Landsberg; ✡6.7.1973 Detroit
Geschwister
Marga Schelasnitzki *27.8.1923 in Angerapp; ✡?; oo 1944 in Detroit Irving Kane
Manfred Schelasnitzki/Manny Shell *1.1.1927 in Darkehmen; ✡11.1.2007 USA
Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant; Künstler, Geschichtsprofessor
Adressen Darkehmen; Berlin, Uhlandstraße 76; Franeker;
Heirat ?
Kinder ?
Weiterer Lebensweg
1928 Vater Bernhard betriebt in Beeskow das Kaufhaus „Merkur“
1935 Umzug der Familie nach Berlin
Horst Schelasnitzki zur Hachschara in der Region Halle/Saale, vermutlich auf dem vom BACHAD betriebenen Bomsdorfer Hof bei Jüdenberg/Gräfenhainichen.
Hachschara und die Zerstörung des Lehrgutes Bomsdorf
Das jüdische Lehrgut Bomsdorf Jüdenberg bei Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt war eines der drei Lager (neben Steckelsdorf und Gehringshof) in Trägerschaft des BACHAD, 1928 gegründete Jugendorganisation des orthodox-jüdischen Misrachi; das hebräische Akronym בָּחָ״ד BaChaD steht für Brit Chaluzim Datiim, deutsch‚ Bund religiöser Pioniere‘
Auf dem nördlich von Zschiesewitz am Waldweg nach Goltewitz gelegenen Landgut befand sich in den 1930er Jahren eine landwirtschaftliche und gärtnerische Ausbildungsstätte für Juden zur Vorbereitung auf eine Auswanderung nach Palästina. Sowohl Erstausbildung als auch mittlere Hachschara wurden angeboten.
1.8.1938 35 Auszubildende auf dem Hof in Bomsdorf laut Albert J. Phiebig, der als Statistiker für die Reichsvertretung der Deutschen Juden arbeitete.
28.10.1938 Erste Polenaktion, insgesamt acht Chawerim mit jüdischem Pass werden verhaftet und nach Zbaszyn deportiert
In der Nacht vom 9. auf den 10.November wurde das Lager von einem SA-Trupp aus Dessau gestürmt. Zwei Bewohner werden erschossen: der 16-jährige Chawer Herbert Stein aus Lauterbach und der namentlich bisher nicht bekannte Lagerleiter. Herbert Stein soll erschossen worden sein, weil er auf eine Frage des Mörders nicht schnell genug antwortete.
Die über 18-jährigen Männer wie Eugen Hecht, aber auch der noch 17-jährige Arnold Berman werden in das KL Sachsenhausen verschleppt.
Der Hof wird verwüstet und von den Nazis geplündert.
1.9.1939 Überfall der Wehrmacht auf Polen
Oktober 1939 Auflösung des Lagers in Zbaszyn, die Internierten gehen zumeist zu Verwandten in ihre Heimatstädte oder werden nach Krakau verwiesen.
Die Bomsdorfer Chawera Sofie Löwenstein (später Neuendorf) berichtet:
„Bereits in der Reichspogromnacht brachen die Nazis in das Lagergelände ein, steckten die Jugendlichen in der Kälte des Novembers in Nachtkleidung auf den Hof und ermordeten zwei Jungen. Sie wurden heimlich auf dem christlichen Friedhof in der Stadt Gräfenhainichen bestattet, und die Lage der Gräber wurde erst vor kurzem bekannt. Die Nazis verschleierten die ganze Angelegenheit, indem sie ihnen verboten, das Ausbildungsprogramm für ein paar Tage zu verlassen, ihnen ausdrücklich verboten, über das Thema zu sprechen, und die Pioniere einschüchterten.“
Peter Pätz schreibt:
„Die damaligen Verantwortlichen verweigerten die Bestattung der beiden Opfer auf dem Friedhof in Jüdenberg. Daraufhin wurden die Leichen nach Gräfenhainichen gebracht, wo man zunächst genauso handelte. Eine Bestattung außerhalb des Friedhofs scheiterte an den Eigentumsverhältnissen. Und so wurden die beiden Toten in der hintersten Ecke des Gräfenhainicher Friedhofs beigesetzt.“
Oswald Zorn aus Jüdenberg berichtet in der Mitteldeutschen Zeitung MZ:
„Das in Bomsdorf vorhandene jüdische Eigentum wie zum Beispiel Vieh, Futtervorräte und andere Einrichtungsgegenstände holten sich im wesentlichen führende Nazis aus den umliegenden Orten.“
14.12.1938 Entlassung der Bomsdorf- Chaluzim Arnold Berman, Hans Cohn (Franeker!), Julius Eschwege und Heinz Kochmann aus dem KL Sachsenhausen
Novemberpogrom
10.11.1938 Horst Schelasnitzki, landwirtschaftlicher Lehrling, verhaftet in der Region Halle/Saale,
12.11.1938 interniert im KL Buchenwald als „AktionsSchutzjude, ASJ-Häftling“; Häftlingsnummer 10466, landwirtschaftlicher Lehrling

30.11.1938 Entlassung aus dem KL Buchenwald
Kibbuz Franeker
Der 1935 vom Arzt Dr. Jacob und seiner Frau Lina Bramson aus Franeker gegründete Kibbuz der religiösen Zionisten des Misrachi „Dath Waäretz“ bestand bis zu seiner Auflösung durch eine Razzia am 3. November 1941.
Träger Misrachi/ Dath Waäretz; Bachad, 1928 gegründete Jugendorganisation des orthodox-jüdischen Misrachi; das hebräische Akronym בָּחָ״ד BaChaD steht für Brit Chaluzim Datiim, deutsch ‚Bund religiöser Pioniere‘. Die Hachschara Organisation hieß „Dath Waäretz“
29.3. 1934 als erster Chaluz von Franeker bezieht Wolf Tempel ein Zimmer an der Dijkstraat 1;
April 1935 Anmietung des alten Bahnhofsgebäude am Harlinger Weg 45 für den des Kibbuz Franeker es konnte etwa 25 Bewohner aufnehmen, anfangs waren es 10-15, zuletzt bis zu 30 Chalutzim. Zuvor wohnten die Chaluzim in den Haus Noorderbolwerk 13.
Jacob Bramson kümmerte sich persönlich um die sorgfältige Auswahl die Bauernhof-Stellen.
Die geistliche Betreuung übernahm Oberrabbi Lewinson aus Leeuwarden


1.2.1939 Horst Schelasnitzki aus Berlin kommend angemeldet im Kibbuz Franeker

Alija Beth auf der SS DORA
Juli 1939 76 Werkdorper aus dem Werkdorp Nieuwesluis nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA
16.7.1939 Boarding mit 183 Chaluzim in Amsterdam auf der zur Alija Beth von den Mossad-Agenten Jehuda Berginski, Gideon Ruffer und Shmarya Tzameret gekauften SS DORA nach Palästina; 29 Chaluzim gehören zum Misrachi/Dath Waäretz aus Beverwijk und Franeker. In Franeker waren zuvor:
Hijman Bekker, Ruth Braun, Flip Cohen, Sara Dinner, Ernst Förder, Meir Frijdman, Leopold Siegfried Jacob, Walter Oppenheimer, Herman Riez, Jacob und Mietje Roodveldt, Isaac Rooz, Horst Schelasnitzki, Marcus Segal, Max Stoppelmann.
16.7.1939 1939 5 Uhr morgens Boarding der acht verspätet aus Enschede kommenden Agudas- Chaluzim Rosa Appel, Elie Daube, Heinemann Gutmann, Issy Hirsch, Saul Lampelz, Bernhard Rosen, Rubin Rottenberg, Adolf Sanders.
17.7.1939 Zustieg von etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA
17.-19.7.1939 Verzug in Vlissingen (Flushing)
12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

15.-26.10.1939 Mutter Selma, Schwester Marga und Bruder Manfred auf der SS ROTTERDAM von Rotterdam nach New York
Alija Beth der SS MEDINAT HA’JEHUDIM
Die SS MEDINAT HA’JEHUDIM (Jüdischer Staat, zuvor SS NORTHLAND) war eines der Schiffe der Aliyah Beth.
Bruder Manfred war der „Chefsteward“.
26.9.1947 Abreise aus Burgas (Rumänien) mit 2.664 jüdischen Emigranten auf der MEDINAT HA’JEHUDIM uüber Istanbul nach Tel Aviv.
2.10.1947 SS MEDINAT HA’JEHUDIM wird von einem britischen Zerstörer abgefangen. Es kam zu einem Gefecht, bei dem die Schiffe kollidierten und beide beschädigt wurden. Etwa acht Kilometer vor Tel Aviv enterten die Briten das Schiff und schleppten es nach Haifa,
3.10.1947 Ankunft in Haifa. Die Ma‘apilim und die Besatzung mussten an Bord bleiben.
6.3.1947 die Ma‘apilim werden in die britischen Detainee-Camps auf Zypern verbracht.
1983 Promotion als „Ph.D“ (Operation Sea Lion. The story of a campaign that never happened); später Geschichtsprofessor
Gedenken
Grabstein für Horst Schelasnitzki auf dem New Ra’Anana Kfar Nahman Cemetery
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/7025999
Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 6413); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85
Fischer, Hubertus (2019d): Bomsdorf und der Bachad. Rekonstruktion einer religiös-zionistischen Hachschara, in: Sachsen und Anhalt 31, Halle (Saale), S. 167–192
https://www.myheritage.de/research
https://historischcentrumfraneker.nl/inwoners
http://danielabraham.net/tree/related/dora/
Kelly Bauer, Syds Wiersma, Kibboets op de Klei, Fries Film Archief Leeuwarden, 2020
Auke Zeldenrust, Kibboets op de Klei, Boom, 2020
Morris Schnitzer, My three selves, a memoir, Lugus, Toronto, 2002
Hannelore Grünberg-Klein, Zolang er nog tranen zijn, Nijgh & Van Ditmar, 2015
Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998
Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767
https://www.gfh.org.il/eng/Archive
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947