Chaluzim im Rettungswiderstand- die Gruppe COR
Juden retten Juden

Wir müssen durchhalten und wir sollen es auch! Nanno Reilinger
Nach den ersten Aufrufen zum „Arbeitseinsatz im Osten“, Razzien und Massendeportationen ab Kamp Westerbork durch die SS im Juli 1942 gingen viele der aus Deutschland in die Niederlande geflüchteten Chaluzim als „onderduiker“ ins Versteck; die meisten waren zuvor in den etwa zehn niederländischen Hachschara-Zentren auf ihre Alija vorbereitet worden, davon etwa eintausend im Werkdorp Wieringermeer. Von den im Jahre 1942 noch in den Niederlanden „auf Hachscharah“ lebenden 716 jungen Juden überlebten 393 durch das Engagement des Netzwerk um Joop Westerweel, das gefälschte Papiere und Versteckplätze in den Niederlanden beschaffte.
Um Schleuseraktionen durch Belgien nach Frankreich für die in ihren niederländischen Verstecken oft verratenen Chaluzim zu organisieren, bildete sich in Paris die jüdische Hechaluz Widerstandsgruppe COR um Max Windmüller (Cor) und Kurt Reilinger (Nanno). Hierzu zählten fünfzehn weitere junge deutsche Zionisten, die alle aus den Hachschara-Lagern der Niederlande kamen. Die meisten von ihnen kannten sich bereits aus dem Werkdorp und der „Deventer Vereniging“; zur etwa fünfzigköpfigen Widerstandsgruppe Westerweel.gehörten bereits zuvor:
Betty Britz, Alfred Fränkel, Ernst Hirsch, Paula Kaufmann, Metta Lande, Kurt Reilinger, Max Windmüller
Mit gefälschten Wehrmachtspapieren, die sie als holländische Fremdarbeiter auswiesen, organisierten sie die notwendigen gefälschten Ausweise, planten die Transferrouten, Unterkünfte und Fluchtwege.
Ab dem Frühjahr 1943 wurden von Paris aus 150 untergetauchte Pioniere mit gefälschten Papieren aus Holland über Belgien nach Frankreich geschleust. Von diesen konnten etwa 80 Chaluzim in der Operation Sepharad über die Pyrenäen nach Spanien gerettet werden.
Im April und Juli 1944 kann der SD Paris (Gestapo) nach Verrat durch den Doppelagenten Karl Rehbein die meisten Mitglieder der Gruppe verhaften. Die Verhafteten wurden in das BDS-Hauptquartier in die Rue de la Pompe verbracht, verhört und auch gefoltert, Loebenberg starb in der Folge. Die Gruppe wird in das Gefängnis Fresnes gebracht und Anfang August in das Lager Drancy. Am17. August, dem Tag der Räumung durch die SS, werden noch acht von ihnen auf dem letzten Transport aus Drancy mit 51 Mitgliedern der Resistance in einem Güterwagon mit der Aufschrift „Juden Terroristen“ nach Buchenwald deportiert.
Nach der obligatorischen Quarantäne in Block 57 im kleinen Lager von Buchenwald werden die Chaluzim der Gruppe Cor in verschiedene Außenlager überstellt.
Das Schicksal der Gruppe COR
Joop Andriesse verhaftet bei Flucht in die Schweiz, befreit in Dachau
Ernst Ascher wird in Bergen-Belsen befreit
Betty Britz Flucht über die Pyrenäen, Alija auf der SS GUINEE
Loly Eckardt-Burstein befreit in Drancy am 18.8.1944
Hans Ehrlich Flucht beim Todesmarsch vom Außenlager Zwieberge
Alfred Fränkel Flucht beim Todesmarsch in Lippstadt; Alija beth TEL HAI
Susi Hermann überlebt illegal in Frankreich; Alija 1946
Ernst Hirsch stirbt kurz vor der Befreiung in Bergen Belsen
Paula Kaufmann befreit in Theresienstadt
Metta Lande Verlobte von Windmüller; überlebt illegal in Frankreich
David Duftche Neiss Flucht über die Pyrenäen, Alija auf der SS GUINEE
Kurt Reilinger befreit auf der SS RHEINFELS in der Flensburger Förde
Anna Sperber Tod in Ravensbrück
Gerd Sperber kommt bei dem Luftangriff in Nordhausen um
Leo Weil überlebt den Todesmarsch nach Theresienstadt
Max Windmüller wird auf einem Todesmarsch erschossen
Paul Wolff nach Todesmarsch bei Cham befreit
„War aber die Rettung eines einzelnen Menschen nicht wichtiger als die Tötung eines Feindes? Arno Lustiger
- Von den 716 im Jahre 1942 noch in den Niederlanden lebenden Chaluzim überlebten 393 durch den selbstlosen Einsatz der Gruppe Westerweel im Versteck oder durch Flucht.
- 150 untergetauchte Pioniere konnten durch die Gruppe COR mit gefälschten Papieren aus Holland über Belgien nach Frankreich geschleust werden.
- In der Operation Sepharad überquerten etwa 80 Chaluzim die Pyrenäen nach Spanien.
- Auf der SS GUINEE erreichten schließlich 55 Hechaluz Mitglieder noch am 4. November 1944 Haifa.
- Vier der siebzehn Mitglieder der Gruppe Cor bezahlten ihren aufopferungsvollen Rettungswiderstand mit dem Leben.