
Benno Teichmann
*19.10.1921 in Breslau; ✡ 2008 Rechovot
Staatsangehörigkeit deutsch
Vater Carl Teichmann *22.7.1879 in Schreibendorf; ✡ 14.7.1968 in Hulata

Mutter Chaya Anne Zolotoyabko *17.12.1897 in Svir, Wilna; ✡ 12.12.1987 in Hulata
Geschwister
Käthe Teichmann *5.9.1919; ✡18.1.2011 in Dorot; oo 1939 Alfred Nagelberg
Esther Teichmann *12.10.1920; 14.10.1906 in Hulata; oo Shmuel Lewin (1918-1984)
Genia „Pozzi“ Shulamit Teichmann *1927
Beruf Praktikant
Adressen -; Amsterdam; Werkdorp Barsingerhorn, Wieringermeer
Heirat
Nov. 1944 in Netanya mit Johanna Deutsch *1923
Geula
Kinder zwei
Avner Teichmann
Weiterer Lebensweg
16.3.1936 Einreise von Schwester Ester auf der SS GALILEA von Triest nach Haifa
17.5.1939 beide Eltern und Schwester Genia in Breslau, Ritterplatz 11 bei der Minderheitenzählung
Emigration der Eltern in die Niederlande
Lehrgut Ellguth
Benno Teichmann zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth
Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.
Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.
Polenaktion
28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern 13 polnischstämmige Chaluzim abgeschoben.
Benno Teichmann berichtet:
„Es war am 28. Oktober 1938 in Ellguth, einem Hachscharah-Kibbuz von Mitgliedern des deutschen Hechalutz. Es kam der Befehl nach Ellguth: Alle Polen sind ausgewiesen. Sie müssen bis 5 Uhr über die Grenze sein…. Und dann kam der Autobus. […] Die Namen wurden verlesen und die Chawerim stiegen ein und verließen unser Kibbuz.
Diese wurden aber von polnischen Dorfbewohner mit Hunden zurückgetrieben. Sechs von Ihnen reisten später regulär nach Polen aus, sieben kehrten nach Ellguth zurück.
Novemberpogrom
10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen
10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht; die erwachsenen Männer werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen. In Buchenwald erhielten die Chaluzim aus Ellguth Nummern um 27450

Benno Teichmann erhält die Nr. 27418
10.12.1938 Entlassung einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald
Benno Teichmann zur Hachschara ins Werkdorp Nieuwe Sluis, gemeldet in Barsingerhorn
Dezember 1938 Benno Teichmann u.a. mit Kurt Hannemann, Adolf Hafner, Erich Naftalie, Joachim Simon zum Hachschara-Trainingskurs für die aus Buchenwald entlassene Gruppe aus Ellguth in der Schlosshofstraße in Bielefeld
Nach der Entlassung sammeln sich viele Chaluzim wieder in Bielefeld; einige flüchten mit einer Gruppe aus Ellguth unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande zu Einzelhachschara in der Deventer Vereniging tot Vakopleiding.
25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.
Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski aus Wien.
Werkdorp Nieuwe Sluis
Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)
Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.
Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs
Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.
Alija Beth auf der SS DORA
Juli 1939 Benno Teichmann mit 76 Werkdorpern aus dem Werkdorp Nieuwesluis nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA
16.7.1939 Boarding mit 183 Chaluzim in Amsterdam auf der zur Alija Beth von den Mossad-Agenten Jehuda Berginski, Gideon Ruffer und Shmarya Tzameret gekauften SS DORA nach Palästina; 29 Chaluzim gehören zum Misrachi/Dath Waäretz aus Beverwijk und Franeker. In Franeker waren zuvor:
Hijman Bekker, Ruth Braun, Flip Cohen, Sara Dinner, Ernst Förder, Meir Frijdman, Leopold Siegfried Jacob, Walter Oppenheimer, Herman Riez, Jacob und Mietje Roodveldt, Isaac Rooz, Horst Schelasnitzki, Marcus Segal, Max Stoppelmann.
16.7.1939 1939 5 Uhr morgens Boarding der acht verspätet aus Enschede kommenden Agudas- Chaluzim Rosa Appel, Elie Daube, Heinemann Gutmann, Issy Hirsch, Saul Lampelz, Bernhard Rosen, Rubin Rottenberg, Adolf Sanders.
Juli 1939 10 Chaluzim aus der Hachschara Urfeld kommend auf mit Planen gedecktem Lastwagen nach Antwerpen geschleust.
17.7.1939 Zustieg von etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA
17.-19.7.1939 Verzug in Vlissingen (Flushing)
12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht
Nachkriegszeit
1945 Die Eltern kehren aus den Niederlanden nach Breslau zurück
Chaja Teichmann gründet in Breslau einen „Kibbuz“ für rückkehrende alleinstehende junge Juden. 3.12.1946 Einreise der Eltern mit einigen Chaluzim aus dem Breslau Kibbuz nach Palästina
Gedenken
Quellen
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278227
Benno Teichmann: Hachscharah-Kibbuz Ellguth; Wiener Library
Heiko Haumann, Julia Richers, Monica Rüthers; Juden in Breslau/Wrocław 1933–1949
Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938
https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer
https://danielabraham.net/tree/related/dora
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316