Fritz Siegfried Gerhard Sonnenberg
*14.8.1921 in Koblenz; ✡ ? 2002 in Krefeld
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Moses Sonnenberg *21.11.1883 in Selters; ✡ 18.10.1944 in Auschwitz
Heirat der Eltern ca 1919
Mutter Irma Blum *1895 Niederbarchheim; ✡ 22.12.1934 in Koblenz
Großvater Karl Blum *25.3.1867 in Niederbarchheim; ✡ 12.5.1937 Suizid in Koblenz
Stiefmutter Betty Michel *11.10.1913 in Immendorf; 11/1985 in Fairway
Cousin Karl Julius Sonnenberg *27.2.1904 in Selters; ✡4.5.1945 in Tröbitz
Bruder

Paul Sonnenberg *4.7.1925 in Koblenz; ✡ 22.1.1945 Auschwitz
Beruf Landwirtschaftlicher Volontär
Adressen Koblenz; Rotterdam;Amsterdam; Loosdrecht
Heirat
Kinder –
Weiterer Lebensweg
1931-1936 Kaiser-Wilhelm-Realgymnasium (heute: Eichendorff-Gymnasium)
1936 Nach einer Schlägerei durch pöbelnde Mitschülern muss er Ende der Obertertia das Gymnasium verlassen.
1936 Aufnahme einer Lehre als Maschinenschlosser in Düsseldorf
12.5.1937 Suizid des Großvaters Karl Blum in Koblenz
16.8.1937 Onkel Karl flieht nach Hilversum, Niederlande
15.2.1938 Emigration von Fritz und Paul Sonnenberg in die Niederlande
23.6.1938 Emigration des Vaters wegen eines anhängigen Strafverfahrens in die Niederlande;
Das „Nationalblatt“ (Nazi-Zeitung für Koblenz) kommentierte:
„Na klar, Jud Sonnenberg getürmt. Der Feigling hatte allerhand auf dem Kerbholz und gebrauchte seine Angestellte zu Betrügereien.“
Diese Angestellte war Betty Michel, die in Haft genommen und zu einem Monat Gefängnis wegen Fälschung eines Wechsels verurteilt wird.
29.3.1939 Flucht von Betty Michel in die Niederlande
Werkdorp Nieuwe Sluis
27.12.1938 Fritz Sonnenberg angemeldet zur Hachschara im Joodsche Werkdorp Nieuwe Sluis
Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)
Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.
Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs
Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.
30.11.1939 Fritz Sonnenberg offiziell abgemeldet nach Palästina
Alija Beth auf der SS DORA
Juli 1939 Fritz Sonnenberg mit 76 Werkdorpern aus dem Werkdorp Nieuwesluis nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA
16.7.1939 Boarding mit 183 Chaluzim in Amsterdam auf der zur Alija Beth von den Mossad-Agenten Jehuda Berginski, Gideon Ruffer und Shmarya Tzameret gekauften SS DORA nach Palästina; 29 Chaluzim gehören zum Misrachi/Dath Waäretz aus Beverwijk und Franeker. In Franeker waren zuvor:
Hijman Bekker, Ruth Braun, Flip Cohen, Sara Dinner, Ernst Förder, Meir Frijdman, Leopold Siegfried Jacob, Walter Oppenheimer, Herman Riez, Jacob und Mietje Roodveldt, Isaac Rooz, Horst Schelasnitzki, Marcus Segal, Max Stoppelmann.
16.7.1939 1939 5 Uhr morgens Boarding der acht verspätet aus Enschede kommenden Agudas- Chaluzim Rosa Appel, Elie Daube, Heinemann Gutmann, Issy Hirsch, Saul Lampelz, Bernhard Rosen, Rubin Rottenberg, Adolf Sanders.
Juli 1939 10 Chaluzim aus der Hachschara Urfeld kommend auf mit Planen gedecktem Lastwagen nach Antwerpen geschleust.
17.7.1939 Zustieg von etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA
17.-19.7.1939 Verzug in Vlissingen (Flushing)
12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht
Paviljoen Loosdrechtsche Rade
12.6.1940 Bruder Paul zur Hachschara in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“

Sophie und Gustl Nussbaum dritte Reihe 3. und 2. von rechts
Von September 1939 bis August 1942 fanden hier 99 Bewohner Zuflucht. Bis März 1940 konnten 30 Chaluzim auf Alija nach Palästina gehen.
13.8.1942 wegen einer anstehenden Razzia sollen alle Loosdrecht-Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht. Paul Sonnenberg und die Schwestern Sophie und Auguste Gustl Nussbaum gehen ins Versteck; sie werden von Leiter Joachim Schuschu Simon mit dem Zug nach Amsterdam und dort zusammen in einer wegen Urlaub des Mieters verfügbaren Wohnung untergebracht. Als sie die Wohnung wegen drohendem Verrat durch die Hausbesitzerin verlassen müssen, wird Paul Sonnenberg noch in derselben Nacht verhaftet, da er bei nächtlicher Ausgangssperre und ohne Papiere aufgegriffen wird. Als Strafgefangener „onderduiker“ wird er zunächst in das KL Vught gebracht

Kamp Westerbork
11.9.1942 Bruder Paul Sonnenberg eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork
6.8.1942 in Westerbork Heirat des Vaters mit Betty Michel
1.2.1944 Karl und Margot Sonnenberg auf dem Transport aus Westerbork nach Bergen Belsen
4.9.1944 Vater Moses mit Stiefmutter Betty und Bruder Paul auf dem Transport XXIV/7 von Westerbork nach Theresienstadt

29.9.1944 Bruder Paul auf dem Transport E l von Theresienstadt nach Auschwitz
16.10.1944 Vater Moses auf dem Transport E r von Theresienstadt nach Auschwitz
22.1.1944 Tod von Paul Sonnenberg im von der SS bereits geräumten KL Auschwitz oder auf dem Todesmarsch
8.5.1945 Befreiung von Stiefmutter Betty in Theresienstadt
Der Verlorene Zug
1.2.1944 Karl und Margot Sonnenberg auf dem 3. Austausch-Transport von 908 Häftlingen aus Westerbork in das Sternlager des KL Bergen Belsen
10.4.1945 Evakuierung der Austauschjuden von Bergen-Belsen mit dem Ziel Theresienstadt
23.4.1945 Irrfahrt des verlorenen Zuges endet an der gesprengten Elsterbrücke; Ankunft Tröbitz,
Befreiung durch die 1. Ukrainische Front der Roten Armee, General Tschukow
4.5.1945 Tod von Karl Sonnenberg in Tröbitz; seine Frau Margot überlebt
Gedenken
Sechs Stolpersteine für Moses, Betty, Irma, Paul und Fritz Sonnenberg und Karl Blum in Koblenz, Mainzer Straße 10
Quellen
www.dokin.nl/deceased_children/paul-sonnenberg-born-4-jul-1925/
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de972073
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de972072
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de972061
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5083124
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130377433
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5083123
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130377407
Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998
Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945
http://www.dokin.nl/deceased_children/paul-sonnenberg-born-4-jul-1925/
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Sonnenberg%201904%22%7D
Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938
https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316