Boehm Walter

Walter Jakob Boehm/Aloni

*17.8.1919 Steinau; ✡  in Israel

Staatsangehörigkeit deutsch

Vater Hans Naphtali Boehm *10.5.1888; ✡ ?, in Schweden

Mutter Hilde Boehm *21.12.1895 in Lublinitz; ✡ 19.6.1987 in Zichron Jakov

Die Ehe der Eltern wird geschieden

Großvater Bernhard Böhm *1860; ✡10.9.1920 in Beuthen; oo Selma Kessler

Großvater Oskar Kamm*1865; ✡ 19.11.1921 in Beuthen

Großmutter Bianka Kamm geb. Boehm *9.11.1873 in Beuthen; 19.5.1942 in Auschwitz

Geschwister

Bernhard Boehm/Aloni *19.1.1921 in Breslau; ✡2001 Israel; oo Dalia (✡1994)

Beruf Landarbeiter

Adressen Breslau; Beuthen, Krakauer Straße 29; Ellguth, Steinau; Werkdorp Barsingerhorn, Wieringermeer

Heirat   –

Kinder

Weiterer Lebensweg

10.9.1920 Tod des Großvaters Sanitätsrat Dr. med. Bernhard Boehm in Beuthen

19.11.1921 Tod des Großvaters Oskar Kamm in Beuthen

30.8.1937 Einreise von Bruder Bernhard Boehm von Triest in Haifa mit einem Studentenzertifikat der Jugendalija Kategorie B(iii)

17.5.1939 Großmutter Bianka Kamm geb. Boehm in Beuthen in Beuthen, Krakauer Straße 29 bei Minderheitenzählung

Flucht des Vaters nach Schweden

Haschara Ellguth/Steinau

Das Lehrgut Ellguth

Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.

Walter Böhm zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth.

Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.

Polenaktion

28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern polnischstämmige Chaluzim abgeschoben. Diese konnten aber oftmals illegal wieder zurückkehren.

Novemberpogrom

10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen

10.11.1938 ein Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht; Walter Böhm wird mit den erwachsenen Männer nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.

In Buchenwald erhielten die Chaluzim aus Ellguth zunächst durch Entlassung von ASJ Häftlingen freigewordene Nummern im Bereich 10000-11000, später erfolgte einen Umnummerierung auf Nummern um 27450

Buchenwald-Häftlingsnummern von Walter Böhm: 10519/27413

Mutter Hilde Böhm bei der Großmutter Bianka Kamm in Beuthen

Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski aus Wien.

6.1.1939 Nach der Entlassung flüchten einige mit einer Gruppe aus Ellguth unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande zu Einzelhachschara in der Deventer Vereniging tot Vakopleiding.

25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.

Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

23.9.1939 Walter Böhm zur Hachschara ins Werkdorp Nieuwe Sluis, gemeldet in Barsingerhorn

Alija Beth auf der SS DORA

Juli 1939 Walter Böhm mit 76 Werkdorpern aus dem Werkdorp Nieuwesluis nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA

16.7.1939 Boarding mit 183 Chaluzim in Amsterdam auf der zur Alija Beth von den Mossad-Agenten Jehuda Berginski, Gideon Ruffer und Shmarya Tzameret gekauften SS DORA nach Palästina; 29 Chaluzim gehören zum Misrachi/Dath Waäretz aus Beverwijk und Franeker. In Franeker waren zuvor:

Hijman Bekker, Ruth Braun, Flip Cohen, Sara Dinner, Ernst Förder, Meir Frijdman, Leopold Siegfried Jacob, Walter Oppenheimer, Herman Riez, Jacob und Mietje Roodveldt, Isaac Rooz, Horst Schelasnitzki, Marcus Segal, Max Stoppelmann.

16.7.1939 1939 5 Uhr morgens Boarding der acht verspätet aus Enschede kommenden Agudas- Chaluzim Rosa Appel, Elie Daube, Heinemann Gutmann, Issy Hirsch, Saul Lampelz, Bernhard Rosen, Rubin Rottenberg, Adolf Sanders.

Juli 1939 10 Chaluzim aus der Hachschara Urfeld kommend auf mit Planen gedecktem Lastwagen nach Antwerpen geschleust.

17.7.1939 Zustieg von etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA

17.-19.7.1939 Verzug in Vlissingen (Flushing)

12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

Beuthen – Gleiwitz – Hindenburg nach Auschwitz

Zwischen dem 14.5. und 29.6.42 gingen zehn Einzeltransporte aus dem ehemals polnischen Teil des Regierungsbezirks Kattowitz (14.5./20.5. Sosnowitz, 16.5./28.5. Bendsburg, 18.5. Dombrowa, 2.6. Krenau, 13.6. Bukowno, 15.6. Ilkenau, 23.6. Krzepice, 29.6. Bielitz) nach Auschwitz

18.5.1942 Großmutter Bianka Kamm aus Beuthen auf dem Einzeltransport ab Dombrowa nach Auschwitz

Gedenken

Grabstein für die Mutter Hilde Boehm-Kamm auf dem Zichron Yaacov Cemetery

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de891077

https://www.statistik-des-holocaust.de/Beuthen3.jpg

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5565204

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278226

https://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/1-1-5-1_8012500074?s=8012500074

www.werkdorpwieringermeer.nl/

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

https://danielabraham.net/tree/related/dora

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://yvng.yadvashem.org/ad

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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