Kalb Werner

Werner Kalb/Kolb

*24.2.1924 in Sorau; ✡ in North Woodmare NY USA

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Salomon Kalb *31.7.1889 in Posen; ✡ 1943 in Auschwitz

Mutter Erna Mannheim *18.12.1892 in Sorau; ✡ 1943 in Auschwitz

Tante Rosa Lippmann geb. Kalb *25.10.1885 in Sorau; ✡21.4.1943 in Auschwitz; oo Joachim Lippmann

Geschwister

Helmut Hugo Emil Kalb *8.7.1920 in Sorau; oo Rebecca Gomes

Beruf Mechaniker

Adressen Sorau, Promnitz 4; Schniebinchen bei Sommerfeld

Heirat ja

Kinder zwei

Weiterer Lebensweg

8.7.1920 Geburt von Bruder Helmut Kalb in Sorau

1.12.1936 Bruder Helmut Kalb  Zur Hachschara in das Werkdorp

Tante Rosa und Mann Joachim Lippmann in den Hachscharalagern Jessen Mühle, Steckelsdorf und Landwerk Neuendorf; Onkel Joachim war Landwirt, somit wohl als Ausbilder eingesetzt

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

1938 Werner Kalb zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen

Gut Schniebinchen war ein zuletzt dem Apotheker Otto Kaesbach gehörendes Landgut von 1117 Morgen bei Niewerle, Sommerfeld im Kreis Sorau in der Niederlausitz. Kaesbach produzierte hier nach Aufgabe der Landwirtschaft Arzneimittel wie das Sexmittel Okasa. Seine geschiedene Ehefrau Martha Kaesbach stellte als Verwalter Herrn von Horn ein. Die zum Gutsbesitz gehörige Wassermühle „Jessener Mühle“ verkaufte Kaesbach 1929 an die Familie Lichting; auch hier entstand später ein Hachscharalager.

1933/34 Abschluss eines Pachtvertrages über 180 RM pro Monat mit dem Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). Der offizielle Briefkopf lautete: Jüdische Jugendhilfe Schniebinchen über Sommerfeld, Niederlausitz, Telefon Niewerle Nr. 11

Später lag die Verwaltung reichsweit bei der Ssochnuth (Sochnut, hebräisch הַסּוֹכְנוּתִ היְּהוּדִית לְאֶרֶץ יִשְׂרָאֵל ha-Sochnut ha-Jehudit le-Erets Jisra’el, ‚Jewish Agency‘ auch ‚Jüdische Agentur für das Land Israel‘)

Leiter von Schniebinchen war Dr. Alfred Cohn (April-Sept 1939); ab September 1939 wurden Ludwig Kuttner und Fanny Bergas als Wirtschaftsleiterin dessen Nachfolger. Cohn und Kuttner waren zuvor zuvor Lehrer an der Privaten Waldschule Kaliski in Berlin. Lotte Kaiser und Lotte Adam hatten die pädagogische Leitung. Das Verhältnis Jungen/Mädchen lag bei 60/40. Für Mädchen stand vor allem Hausarbeit wie Kochen, Backen, Nähen und Stricken auf dem Plan.

Novemberpogrom

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

10.11.1938 Vater Salomon in Sorau verhaftet

12.11.1938-6.1.1939 Vater Salomon im KL Sachsenhausen

England und die Niederlande öffnen die Grenze für Kindertransport

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

Kindertransport aus Schniebinchen

4.1.1939 35 Chaluzim der jüngeren Hachschara im Alter von 14 und 15, darunter sieben Mädchen auf dem Transport der Jüdischen Jugendhilfe ab Teuplitz über Breslau nach Berlin; ab Berlin über Bielefeld, Osnabrück, Rheine, Bentheim über die Grenze nach Oldenzaal. Es wurden drei Gruppen gebildet

– K.L. Smit-Oord in Losser nur Mädchen

– Dommelhuis Eindhoven nur Jungen

– Zeehuis Bergen aan Zee gemischt Jungen und Mädchen

Flüchtlingsheim K.L. Smit-Oord in Losser

4.1.1939 in Oldenzaal steigen bereits 40 Mädchen aus, die für das Heim „K.L. Smit Oord“ in Losser vorgesehen sind. Aus Schniebinchen gehören zu dieser Gruppe Käte Arend, Marianne Cohn, Ruth Kochmann und Eva Rawraway. Sie werden mit dem Bus von Oldenzaal ins K.L. Smit-Oord gebracht. Das Flüchtlingsheim für jüdische Mädchen bestand von Januar bis August 1939. Es wurde im August wegen der unmittelbaren Nähe zur deutschen Grenze aufgelöst; die meisten Kinder werden nach Driebergen und Rotterdam verlegt.

Zeehuis Bergen aan Zee

4.1.1939 Der Zug fährt dann nach Amsterdam; von dort werden die Chaluzim im Zeehuis in Bergen aan Zee untergebracht. Das Zeehuis am Verspijckweg 5, wird aber wegen der anstehenden Belegung durch Urlaubsgäste bereits am23.3.1939 wieder aufgelöst, die Kinder werden ins Burgerweeshuis, Amsterdam verlegt, wo ein Flügel vom christlichen Träger zur Verfügung gestellt wurde

Dommelhuis Eindhoven

5.1.1939 Aufnahme von Werner Kalb im Dommelhuis, ein leerstehendes Wohnheim der Fa. Philipps in Eindhoven, Jonckbloetlaan 13. Es bot Platz für 150 Jungen. Das Heim wurde am 1.3.1940 wieder geschlossen und die verbliebenen Jugendlichen in das Heim Westersingel in Rotterdam verlegt.

Werkdorp Nieuwe Sluis

16.11.1939 Werner Kalb zur Hachschara von Eindhoven zu seinem Bruder Helmut ins Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ war die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

10.5.1940 Einmarsch der Wehrmacht in die neutralen Niederlande, Überfall auf Holland, Belgien, Luxemburg und Frankreich

Die Schlichim (Plural von Schaliach) aus Palästina mit ihrem Britischen Pässen wurden als „feindliche Ausländer“ verhaftet (Uri Koch, Mosche Katznelson, Zwi Kuttner).

10.1.1941 Beginn der systematischen Registrierung der Juden in den Niederlanden

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

2.8.1941 gemeldet in Amsterdam, Lairessestraat 4

Bruder Helmut zur Deventer Vereniging; Einzelhachschara in Almelo; ab 1942 im Versteck

Zweite große Razzia in Amsterdam

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl

Jeugdhuis Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam

10.11.1941 Nachdem durch Freizug der Wohnungen, das Haus auf der Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam verfügbar wurde, Eröffnung des Jeugdtehuis des Joodse Raad

10.11.1941 Aufnahme Bertel Aptowitzer als Haushilfe im Jugendheim des Joodse Raad Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam

Siegfried Rosenthal wird als Koch eingestellt.

10.11.1941 Werner Kalb, Berta Aptowitzer, Karola Frohmann, Adolf Frohmann mit Tochter Eva, Horst Hamm, Gert Herz, Gerhard Hirsch, Hans Joseph, Eva Laufer mit Sohn Martin Laufer und Neffe Franz Laufer, Günter Levy, Hilde Mandel, Hajo Meyer, Harald Rosenbach, Ernst Rosenbaum, Norbert Schweitzer und Hans Stern zur Eröffnung ins Jugendheim des Joodse Raad, Plantage Franschelaan 13

Zunächst hat Karola Frohmann die Leitung der Hauswirtschaft; die Familie Frohmann wechselt aber am 16.12. 1941 in den Kibbuz Laag en Keppel, sodass Eva Laufer diese Position übernimmt.

Viele Werkdorper wurden nach der Auflösung des Werkdorps hier untergebracht, vor allem die älteren, später durften auch jüngere Geschwister hier wohnen. Das Gebäude gehörte dem Joodse Raad, ebenso wie das Haus auf der Nicolas Witsenkade 14, wo auch Werkdorper wohnten. Hier wohnten zwischen November 1941 und April 1943 67 Personen, davon 44 Werkdorper

1.6.1942 Günter Schwarzschild in die Franschelaan 13

Erste Razzia in der Franschelaan

15.7.1942 in der Dritten Großen Amsterdamer Razzia werden auch die Bewohner des Jeugdhuis verhaftet und nach Hooghalen deportiert; u.a.: Horst Hamm, Gert Herz, Günter Levy, Hans Stern, Harald Rosenbach, Horst Levi, Gerhard Hirsch, Erwin Eichengrün,

 7 Km zu Fuß ins Kamp Westerbork, Registrierung in der großen Halle und unmittelbar zu Fuß zurück nach Hooghalen

Erst ab November 1942 gab eine eigene Bahnlinie und Station im Kamp Westerbork; Juli-November mussten die Deportierten von und zur Station Hooghalen zu Fuß laufen.

15.7.-17.7.1942 Erster großer Massentransport aus den Niederlanden ab Hooghalen nach Auschwitz

Zweite Razzia in der Franschelaan

26.5.1943 die Bewohner des Jeugdhuis Franschelaan werden bei einer Razzia verhaftet und nach Westerbork deportiert; Werner Kalb eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager zusammen mit Berta Aptowitzer, Martha Eibschütz, Kurt Elias, Ruth Karlsberg, Eva Laufer mit Sohn Martin Laufer, Hilde Mandel, Ernst Rosenbaum, Frieda Rosenblatt-Weil, Wolfgang Rothstein, Grete Schramm,  Norbert Schweitzer, Herta Tombowsky und Herbert Tombowsky, Martin Uffenheimer, alle Baracke 60

Weitere Bewohner des Jeugdhuis Franschelaan waren: Loly Eckhardt

u.a. Alfred Cohn, Hans Moser, Cäcilie Neumann, Helmut Holzheim, Selma Wahrhaftig

23.3.1944 Helmut Holzheim zusammen mit Norbert Schweitzer („vermoedelijk gevlucht“)

Hachschara-Gruppe in Westerbork

Einweisung von Werner Kalb in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork; dort in Baracke 60 als Mitglied der Hachschara-Gruppe

In Westerbork blieb die gesamte Hachschara-Gruppe nach Intervention von Josef Samson („oude kampbewooner“) zunächst von den Deportationen zurückgestellt; dessen Sohn Manfred Shlomo Samson war ebenfalls Mitglied der Elden- Hachschara.

Die Hachschara Chaluzim sind in Baracke 58 und 60 untergebracht.

Vater Josef Samson, Leiter der Arbeitsverwaltung in Westerbork, Innendienst-Abteilung 5, arrangiert mit dem SS-Kommandanten Gemmeker, die Chaluzim als qualifizierte Landarbeiter auf Feldern außerhalb des Lagers einzusetzen. Neben dem Lager befand sich ein Bauernhof, genannt Schattenberg, den sie bewirtschafteten und dies Hachschara Westerbork nannten. Diese Pioniere, wurden nach ihrem Leiter Josef Klijnkramer als „Kleinkramer-groep“ bezeichnet.

Auf einer Liste der Hachscharah-Gruppe vom Ende November 1942 finden sich 93 Chaluzim in Westerbork.

Westerbork – Theresienstadt – Auschwitz

4.9.1944 Werner Kalb mit vielen Chaluzim auf dem Transport XXIV/7 von Westerbork nach Theresienstadt

12.10.1944 auf dem Transport E q von Theresienstadt nach Auschwitz

Werner Kalb Überlebender der Todesmärsche

April/Mai 1944 Befreiung

17.5.1939 beide Eltern in Sorau, Promnitz 4

17.5.1939 in Schniebinchen registriert 122 Personen, davon 109 Chaluzim und Angestellte

Fabrikaktion – Auschwitz

Umzug der Eltern von Sorau nach Berlin, Krummestraße 43

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“

März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert

1.3.1943 Vater Salomon auf dem 31. Osttransport von Berlin nach Auschwitz

2.3.1943 Mutter Ernaauf dem 31. Osttransport von Berlin nach Auschwitz

19.4.1943 Tante Rosa Lippmann aus dem Landwerk Neuendorf auf dem 37. Osttransport

Nachkriegszeit

26.3.1949 Werner Kalb auf der SS EDAM von Antwerpen nach New York

1954 Einbürgerung als US Citizen; Namensänderung in Warner Kolb

Gedenken

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4992164

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130315044

http://www.dokin.nl/surviving_children/werner-kalb-born-24-feb-1924/

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Kalb%201920%22%7D

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1085340

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1085341

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1109127

www.historischekringlosser.nl

Thea Evers, K.L. Smit-Ooord, Een vakantiehuis in de Losserse Zandbergen, 2013

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Genealogie Website My Heritage

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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