Englard Leo

Leo Leib Arie Englard

*7.7.1921 in Przemysl; ✡ 30.11.2004 in Israel

Staatsangehörigkeit polnisch

Religion jüdisch

Vater Zwi Hersch Hermann Englard*5.9.1889; ✡ 17.12.1936 in Berlin

Mutter Cilla Dominitz *1.11.1887 in Radymno; ✡ in Auschwitz

Onkel (?) Jakob Dominitz, Vater der Ehefrau Fanny

Zwillingsschwester

Berta Chaja Englard *7.7.1921 in Przemysl; ✡30.9.1942 in Auschwitz

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Przemysl; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen)

Heirat 5.6.1947 in Tel Aviv mit (Cousine?) Zipora Fanny Dominitz *1925

Kinder

Weiterer Lebensweg

22.5.1915 Vater Hermann Englard als Infanterist des KuK Landwehrinfanterieregiment 36 in den Verlustlisten des Ersten Weltkriegs von Österreich-Ungarn verwundet gemeldet

Ostern 1927 Einschulung von Leo Englard in der 105. Volksschule in Berlin

10.10.1933 Wechsel auf die 160. Volksschule in Berlin

22.1.1936 Ausschulung, Grund „Arbeit“

1937 Berta Englard zur Hachschara ins Lager Jessen Mühle

Das Lehrgut Ellguth

Leo Englard aus Berlin zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth

Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.

Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.

Polenaktion

28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern polnischstämmige Chaluzim abgeschoben. Diese konnten aber oftmals illegal wieder zurückkehren.

Novemberpogrom

10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen

10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht; die erwachsenen Männer werden nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.

Leo Englard war nicht Buchenwald; er war noch nicht 18 Jahre alt.

10.12.1938 Entlassung einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald

6.1.1939 nach der Entlassung sammeln sich viele Chaluzim wieder in Bielefeld; einige flüchten mit einer Gruppe aus Ellguth unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande zu Einzelhachschara in der Deventer Vereniging tot Vakopleiding.

25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.

Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski aus Wien.

Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

25.2.1939 Leo Englard aus Berlin zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen

21.8.1939 Schwester Berta Englard als Madricha aus Jessen Mühle zusammen Kurt Caminer, Kurt Landmann und Günter Glogowski zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen

Berta Englard vor dem Gemeinschaftshaus des Werkdorp

Alija beth auf der SS DORA

Juli 1939 Leo Englard mit 76 Werkdorpern aus dem Werkdorp Nieuwesluis nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA

16.7.1939 Boarding mit 183 Chaluzim in Amsterdam auf der zur Alija Beth von den Mossad-Agenten Jehuda Berginski, Gideon Ruffer und Shmarya Tzameret gekauften SS DORA nach Palästina; 29 Chaluzim gehören zum Misrachi/Dath Waäretz aus Beverwijk und Franeker. In Franeker waren zuvor:

Hijman Bekker, Ruth Braun, Flip Cohen, Sara Dinner, Ernst Förder, Meir Frijdman, Leopold Siegfried Jacob, Walter Oppenheimer, Herman Riez, Jacob und Mietje Roodveldt, Isaac Rooz, Horst Schelasnitzki, Marcus Segal, Max Stoppelmann.

16.7.1939 1939 5 Uhr morgens Boarding der acht verspätet aus Enschede kommenden Agudas- Chaluzim Rosa Appel, Elie Daube, Heinemann Gutmann, Issy Hirsch, Saul Lampelz, Bernhard Rosen, Rubin Rottenberg, Adolf Sanders.

17.7.1939 Zustieg von etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA

17.-19.7.1939 Verzug in Vlissingen (Flushing)

12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht;

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten; Berta Englard kommt in die Familie in der Volkerakstraat 14 in Amsterdam

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

Jeugdhuis Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam

Viele Werkdorper wurden nach der Auflösung des Werkdorps hier untergebracht, vor allem die älteren, später durften auch jüngere Geschwister hier wohnen. Das Gebäude gehörte dem Joodse Raad, ebenso wie das Haus auf der Nicolaas Witsenkade 14, wo auch Werkdorper wohnten.

6.5.1942 Aufnahme von Berta Englard im Jugendheim des Joodse Raad Plantage Franschelaan 13 in Amsterdam

3.7.1942 Wechsel in das Beth Chaluz des Joodse Raad auf der Nicolaas Witsenkade 14-hs

Erste Razzia in der Franschelaan

15.7.1942 Berta Englard in der Dritten Großen Amsterdamer Razzia verhaftet; es werden auch die Bewohner des Jeugdhuis verhaftet und nach Hooghalen deportiert; u.a.: Gert Herz, Günter Levy, Hans Stern, Harald Rosenbach, Horst Levi, Gerhard Hirsch, Erwin Eichengrün,

 7 Km zu Fuß ins Kamp Westerbork, Registrierung in der großen Halle und unmittelbar zu Fuß zurück nach Hooghalen

Erst ab November 1942 gab eine eigene Bahnlinie und Station im Kamp Westerbork; Juli-November mussten die Deportierten von und zur Station Hooghalen zu Fuß laufen.

15.7.-17.7.1942 Erster großer Massentransport aus den Niederlanden ab Hooghalen nach Auschwitz

Gedenken

Grabstein des Vaters Hermann auf dem Jüdischen Friedhof Weissensee, Berlin

8.11.1955 Pages of Testimony für Berta und die Mutter von Bruder Arie

Quellen

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Englard%22%7D

https://www.mappingthelives.org

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en11783544

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://danielabraham.net/tree/related/dora

https://yvng.yadvashem.org/ad

Österreich-Ungarn, Verlustlisten des Ersten Weltkriegs, 1914-1918

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/12652611

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/en/berta-chaja-englard-2/

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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