Nattenheimer Kurt

Kurt „Langer“Nattenheimer/Aricha Netta

*4.8.1920 in Hamburg; ✡ 1991 Tod in Israel

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater SiegfriedNattenheimer Regensburg *11.7.1880 in Regensburg; ✡ 14.2.1942 in Chicago

Mutter Erna Speyer *16.6.1891 in Göttingen; ✡ ?

Onkel/Tante

Selmar Nattenheimer *14.6.1885 in Regensburg; vor 1945 in Auschwitz

Jenny Nattenheimer *1883 in Regensburg

Geschwister

Herbert Nattenheimer

Beruf Viehzüchter

Adressen Hamburg; Ellguth, Steinau; Ra‘anana

Heirat Gerda Gila Sophie Lipper *11.5.1920 in Halle, Saale

Kinder

Weiterer Lebensweg

Kurt Nattenheimer Mitglied der Habonim in Hamburg

Lehrgut Ellguth

1937 Kurt Nattenheimer aus Regensburg zur Hachschara ins Lehrgut Ellguth

Die Eröffnung des Lehrgutes Ellguth in Steinau bei Falkenberg/Klein-Schnellendorf erfolgte in Trägerschaft des Hechaluz am 19.12.1937. Die Leitung wurde Edgar und Elly Freund von der „Jüdischen Jugendhilfe Berlin“ übertragen. Zur Eröffnung kam als Madrich für die Landwirtschaft Georg Josephsthal, zuvor Generalsekretär des Hechaluz und im Merkas des Habonim. Seine Frau Senta übernahm die Milchwirtschaft des Gutes. Als landwirtschaftlicher Inspektor wurde der Nichtjude Bless eingestellt. Bis zu 100 Chaluzim wurden hier ausgebildet.

Im August 1938 mussten Georg und Senta Josephthal, im September das Ehepaar Freund nach Warnungen vor der Gestapo das Gut verlassen. Nachfolger wird Fritz Wolff.

Polenaktion

28.10.1938 Bei der „Polenaktion“ wurden auch aus Ellguth wie in anderen Hachscharalagern 13 polnischstämmige Chaluzim abgeschoben.

Benno Teichmann berichtet:

„Es war am 28. Oktober 1938 in Ellguth, einem Hachscharah-Kibbuz von Mitgliedern des deutschen Hechalutz. Es kam der Befehl nach Ellguth: Alle Polen sind ausgewiesen. Sie müssen bis 5 Uhr über die Grenze sein…. Und dann kam der Autobus. […] Die Namen wurden verlesen und die Chawerim stiegen ein und verließen unser Kibbuz.“

Diese wurden aber von polnischen Dorfbewohner mit Hunden zurückgetrieben. Sechs von Ihnen reisten später regulär mit Pass nach Polen aus, sieben kehrten nach Ellguth zurück.

Novemberpogrom

10. 11.1938 zwei Jugendliche aus Breslau mit Motorrad berichten über die Pogromexzesse. 10.11.1938 nachmittags erscheint ein örtlicher Polizist, um Waffen zu suchen

10.11.1938 Mob aus Bauern und SA überfällt das Gut, alle Bewohner werden auf LKW in das Polizeigefängnis Oppeln gebracht;

12.11.1938 Kurt Nattenheimer mit allen über 16 jährigen Männern – mehr als 23 – nach Buchenwald transportiert, Frauen und Jungen wieder entlassen.

In Buchenwald erhielten die Chaluzim aus Ellguth Häftlingsnummern um 27450; Kurt die Nummern 27355 und 10524 – umgebucht am 30.11.1938

10.12.1938 Entlassung von Kurt Nattenheimer  einer großen Gruppe der Ellguth Chaluzim aus dem KL Buchenwald

auf diesem Auschnitt finden sich vier: Nattenheimer, Naftalie, Noafeld und Nussbaum

Dezember 1938 Kurt Nattenheimer mit  u.a. Kurt Hannemann, Adolf Hafner, Erich Naftalie, Joachim Simon zum Hachschara-Trainingskurs für die aus Buchenwald entlassene Gruppe aus Ellguth in der Schlosshofstraße in Bielefeld

6.1.1939 nach der Entlassung sammeln sich viele Chaluzim wieder in Bielefeld; Kurt Nattenheimer flüchtet mit einigen anderen aus der Ellguth-Gruppe unter Leitung von Madrich Fritz Wolff nach Deventer in die Niederlande in das Gästehaus der „Deventer Vereeniging tot Vakopleiding“, auf dem zwischen Deventer und Apeldoorn gelegenen Flugschule Teuge zur Einzelhachschara auf Bauernhöfen in der Region.

25.2.1939 von dort wechseln einige der Ellguth-Gruppe ins Werkdorp Wieringermeer.

Kurt Nattenheimer bis Ende Juni zur Einzelhachschara in Weerselo

Ende Juni 1939 abgemeldet aus Weerselo zur Zentrale der Deventer Vereniging „De Korenblum“

Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim; Die Leitung übernahm Armin Duschinski und Hermine Duschinsky als Wirtschaftsleiterin aus Wien.

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 die Eltern Siegfried und Erna in Hamburg, Werder, Klosterallee 25

17.5.1939 Gerda Lipper zur Hachschara in Havelberg

17.5.1939 Onkel Selmar Nattenheimer mit seiner Schwester Jenny Schimmel-Nattenheimer in Regensburg Grefflinger Straße 5

17.5.1939 84 Juden in Falkenberg, Klein Schnellendorf

9.9.-16.9.1939 beide Eltern auf der SS AQUITANIA von Southampton nach New York

Alija Beth auf der SS DORA

Juli 1939 76 Werkdorper aus dem Werkdorp Nieuwesluis nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA

16.7.1939 Boarding mit 183 Chaluzim in Amsterdam auf der zur Alija Beth von den Mossad-Agenten Jehuda Berginski, Gideon Ruffer und Shmarya Tzameret gekauften SS DORA nach Palästina; 29 Chaluzim gehören zum Misrachi/Dath Waäretz aus Beverwijk und Franeker. In Franeker waren zuvor:

Hijman Bekker, Ruth Braun, Flip Cohen, Sara Dinner, Ernst Förder, Meir Frijdman, Leopold Siegfried Jacob, Walter Oppenheimer, Herman Riez, Jacob und Mietje Roodveldt, Isaac Rooz, Horst Schelasnitzki, Marcus Segal, Max Stoppelmann.

Juli 1939 Gerhard Rachwalsky als Madrich, , Gert Böhm, Gregor Bronstein, Ellen Gaenser, Alfred Jordan, Charlotte Ständig mit etwa vier weiteren Chaluzim aus der Hachschara Urfeld kommend auf mit Planen gedecktem Lastwagen nach Antwerpen geschleust.

16.7.1939 1939 5 Uhr morgens Boarding der acht verspätet aus Enschede kommenden Agudas- Chaluzim Rosa Appel, Elie Daube, Heinemann Gutmann, Issy Hirsch, Saul Lampelz, Bernhard Rosen, Rubin Rottenberg, Adolf Sanders.

17.7.1939 Zustieg von Kurt Nattenheimer mit etwa 200 weiteren Chaluzim in Antwerpen auf das Alija Beth Schiff SS DORA

17.-19.7.1939 Verzug in Vlissingen (Flushing)

12.8.1939 Ankunft von Kurt Nattenheimer auf der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

Viele der Chaluzim aus Ellguth folgten Georg Josephsthal und Senta Josephthal nach Raanana, wo er zunächst eine Arbeitsbrigade aufstellte aus der später der Kibbuz Galed entstand

Heirat in Raanana mit Gerda Lipper

Eintritt in die Palestinian Company später Jewish Brigade in der Britischen Armee; Einsätze in Libyen, Italien

Nachkriegszeit

1945 Gründung des Kibbuz Galed

Verlegung der Jewish Brigade nach Antwerpen und Eindhoven

Kurt Nattenheimer aktiv bei den illegalen Bricha -Schleuser-Aktivitäten

Mai 1946 Rückkehr nach Palästina, in den Kibbuz Galed

Juni 1946 Antrag auf Einbürgerung in Palästina, was ihm zuvor als Illegaler Maapilim nicht möglich war, jetzt aber nach Entlassung aus britischen Diensten aber zulässig.

25.1.1948 Einreise der Mutter als Witwe auf der SS SATURNIA von New York nach Haifa

1950er Jahre Aufbau der Rinderzucht im Kibbuz Galed

1970 folgt er dem Auftrag der Regierung, die Rinderzucht auf den Golanhöhen aufzubauen

1985 Rückkehr in den Kibbuz Galed

1991 Tod in Israel

Gedenken

Pages of Testimony

Grabstein für

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/6691916

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 6399); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

https://www.gedenkbuch.halle.de/gbdatensatz.php?num=174

http://oorlogsdodendinkelland.nl/alle-palestina-pioniers-in-de-gemeente-weerselo/

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.myheritage.de

https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/12

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5278110

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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